Girls-Day


 
 Mädchen erobern Bauhof
 

Auch in Eislingen nimmt man bereits seit einigen Jahren am Girls Day, der erstmals ein Girls-and-Boys-Day ist, teil. Organisiert wird er hier vom Kinder- und Jugendbüro mit den Eislinger Schulen.
 
Leider habe in diesem Jahr keine der großen Firmen in Eislingen am Girls-and-Boys-Day teilgenommen, bedauert Schulsozialarbeiterin Elisabeth Schimpf. Im nächsten Jahr soll das wieder anders sein: "Wir hoffen, dass sie wieder aufspringen."

Dennoch konnten auch 2010 fast alle Achtklässler der Silcherschule und der Schillerschule in Eislingen untergebracht werden. Die Plätze reichen allerdings bei weitem nicht für alle Schüler ab Klasse 5 aus, erklärt Schimpf. Man habe sich daher vor allem auf die Achtklässler konzentriert, da für diese Praktika hinsichtlich der anstehenden Berufsentscheidung besonders interessant seien, so die Sozialarbeiterin der Dr.-Engel-Realschule. Wichtig sei außerdem gewesen, in erster Linie den Hauptschülern einen Platz zu verschaffen. Aber auch Schüler der anderen Schulen, etwa die Neuntklässler der Realschule, haben am Girls-and- Boys-Day in Eislingen teilgenommen.

Im Eislinger Bauhof waren am gestrigen Aktionstag Melissa Öcal und Merve Hayal tätig. Sie bauten unter der Anleitung von Martin Weber einen Sandkasten. Der Bauhofmitarbeiter war angetan vom Geschick der beiden Mädchen. Sie hätten sich besser angestellt als so mancher Junge. "Sie langen nach zwei Stunden besser hin als ein Praktikant, der kürzlich da war, nach einem halben Tag - und der will Straßenbauer oder Maurer werden." Dabei haben die Mädchen gar nicht vor, diese Berufsrichtung einzuschlagen. Arzthelferin oder Frisörin möchte Melissa Öcal werden und Merve Hayal denkt ebenfalls an eine Zukunft als Arzthelferin. Alternativ könnte sie sich noch die Ausbildung in einem kaufmännischen Beruf vorstellen. Sie seien nur einen Tag auf den Bauhof gegangen, weil es der Girls Day so vorsieht, geben die Mädchen offen zu, bevor sie mit den rot lackierten Fingernägeln wieder zur Schraubmaschine greifen. So sei es eine ganz nette Abwechslung, doch auf Dauer könnten sie sich diese Arbeit nicht vorstellen. Es gehe beim Girls Day auch weniger darum, eine Berufsentscheidung zu treffen als vielmehr Verständnis für die Berufe des anderen Geschlechts zu wecken und Barrieren abzubauen, betont Elisabeth Schimpf. Beim Bauhof sieht man die Anfrage nicht geschlechtsspezifisch, sondern behandelt sie wie jede andere Praktikumsanfrage, bestätigt Cornelius Beck von der Bauhofleitung.

Und warum erinnert man sich im zehnten Jahr des Girls Days plötzlich auch an die "Boys"? "Weil die Jungs gerade untergehen", sagt Elisabeth Schimpf. Während die Mädchen vornehmlich in Handwerksbetrieben für einen Tag mitarbeiteten und den Mitarbeitern dort über die Schulter schauen durften, waren die Jungs in den Eislinger Kindergärten sowie im Altenzentrum St. Elisabeth unterwegs.

Kirill Berg hatte im März bereits ein zweiwöchiges Praktikum im Altenzentrum St. Elisabeth absolviert. Das habe ihm so gut gefallen, dass er seither den Bewohnern in seiner Freizeit immer wieder Besuche abstatte, berichtet Beratungslehrer Herwig Trenkler von der Silcherschule. Er besuche die Menschen hier tatsächlich oft und unterhalte sich mit ihnen, bestätigt Berg. Aus diesem Grunde war es keine Frage, wohin Berg sein Weg am Boys Day führte. Er arbeitete in der Tagespflege von St. Elisabeth mit.

An seinem Berufswunsch hat aber selbst diese positive Erfahrung nichts geändert. Das Altenzentrum hat zwar einen ehrenamtlichen Helfer gewonnen, Berg möchte aber weiterhin Mechatroniker werden. Überhaupt stünden die Geschlechterrollen in ihrem Bereich nicht im Vordergrund, erzählt die Leiterin der Tagespflege, Regina Thode. Sie betont das Miteinander von Alt und Jung. Diese Kombination sei für Schüler und Senioren bereichernd: "Es tut beiden Seiten gut."


Bericht der Südwest Presse vom 23.04.2010
Autor: Axel Raisch
 


    

Foto: Axel Raisch
 


     Bericht der Südwest Presse Online

     Bericht der Eislinger Zeitung vom 22.04.2010
 

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